Devlog·KW 23·1.–7. Juni 2026

Die letzten zwei Abhängigkeiten: eigener Laden, eigene KI-Schlüssel

Diese Woche nimmt der Verein die zwei Dinge in eigene Hand, an denen App-Anbieter sonst fremd hängen: den Vertriebsweg und die KI. Ein eigener Android-Store geht live (fdroid.mana.how + store.mana.how, neun Apps in der ersten Welle), die Startseite mana.how wird zum App-Schaufenster — und parallel kannst du in jeder KI-App ab jetzt deinen eigenen Anbieter-Schlüssel hinterlegen oder nach echtem Verbrauch zum Selbstkostenpreis abrechnen. Dazu: ein Interest-Graph, der auf deinem Gerät bleibt, ein GPU-Broker und Header, die KI-Antworten ehrlich ausweisen.

Worum es geht

Eine App, die Daten nicht verkauft und niemanden trackt, hängt am Ende trotzdem an zwei Strippen, die ihr nicht gehören: dem Laden, über den sie verteilt wird, und der KI, die sie aufruft. Beide gehören jemand anderem — und beide können sehen, wer was nutzt, oder die Regeln über Nacht ändern.

Diese Woche haben wir genau diese zwei Strippen gekappt. Ein eigener Android-Store ging live. Und in jeder KI-App kannst du ab jetzt selbst bestimmen, welches Modell dich bedient und auf wessen Rechnung. Das ist kein Zufall, dass beides in derselben Woche passiert — es ist dieselbe Bewegung: die letzten Abhängigkeiten nach innen holen.

Ein eigener Laden — neun Apps in der ersten Welle

Android-Apps müssen nicht durch Googles Store. Seit dieser Woche laufen unsere über einen eigenen: ein signiertes F-Droid-Repository auf fdroid.mana.how und eine gebrandete Storefront auf store.mana.how. Wer lieber eine native App zum Stöbern will, bekommt einen eigenen Store-Client — einen quelloffenen Neo-Store-Fork im Verein-Anstrich.

Am Sonntag zog die erste echte Flotten-Welle ein: Wordeck machte den Anfang, dann acht weitere auf einen Schlag — Pageta, Comicello, Wunsch, Seepuls, Zitare, Audioguide, Viadocu, Memoro. Neun Apps, über unseren eigenen Vertriebsweg installierbar, ohne Konto bei einem Dritten.

Was das für Nutzer:innen ändert: Der Download läuft über unsere Infrastruktur, nicht über einen fremden Store, der mitzählt. Die Statistik dahinter ist bewusst datensparsam — ein knappes Zugriffs-Log und eine Download-Zahl, mehr braucht es nicht, um zu wissen, ob eine App ankommt. Kein Profil, keine Geräte-Kennung.

Die Startseite wird zum Schaufenster

Damit gehörte auch die Frage geklärt, was unter mana.how selbst liegt. Bisher zeigte die Apex-Domain auf das alte managarten-Projekt. Diese Woche kam der Cutover: mana.how ist jetzt der App-Store — eine Übersicht aller Verein-Apps als Cover-Flow, die alten Tiefen-Links leiten sauber auf managarten.com weiter, wo sie hingehören.

Das Schaufenster ist bewusst spielerisch geraten: jede App eine Sammelkarte, die sich beim Klick umdreht und ihre Werte zeigt — und diese Werte sind keine Marketing-Behauptung, sondern echte Zahlen aus dem Repo: Codezeilen, Commits, Tests, gepflegt von einem wöchentlichen Job. Ein Verein, der Transparenz ernst nimmt, kann auch die eigene Bau-Statistik offen auf die Vorderseite legen.

Du wählst, welche KI dich bedient

Die zweite Strippe ist die KI. Bisher hieß „KI-Funktion“ immer auch: ein Anbieter im Hintergrund, den du nicht ausgesucht hast. Ab dieser Woche hast du drei Wege — und du entscheidest:

  • Dein eigener Schlüssel (BYOK, „bring deinen eigenen Schlüssel“). Hast du ein Konto bei einem KI-Anbieter, hinterlegst du deinen Zugang — verschlüsselt auf deinem Gerät, in einem eigenen Web-Vault. Du zahlst direkt beim Anbieter, wir sehen den Schlüssel nie.
  • Lokale KI. Wer gar nichts nach außen geben will, nutzt weiter das Modell, das auf unserer eigenen Hardware läuft.
  • Nach Verbrauch. Wer es bequem will, lässt über die Mana-Credits abrechnen — jedes Modell exakt nach echter Nutzung, zum Selbstkostenpreis, ohne Pauschale. Der Aufschlag steht bei einem topf-deckenden Faktor; das ist Kostendeckung, kein Geschäft.

Der Schlüssel-Baustein wurde aus dem auslaufenden managarten-Projekt gerettet und zu einem gemeinsamen Paket gemacht, das jede App erbt. Die KI-Auswahl sitzt jetzt sichtbar in den Einstellungen, nicht im Verborgenen. Über die Woche rollte das von Text auf Bild-Verstehen und Sprachausgabe aus — wer ein Bild beschreiben lässt, bei dem werden vorher die Standort- und Geräte-Daten aus der Datei entfernt, bevor überhaupt etwas das Gerät verlässt.

Was im Hintergrund mitlief

Drei kleinere Stränge stützen dieselbe Haltung:

  • Der Interest-Graph bleibt bei dir. Wir haben das Fundament für einen geteilten Nutzer-Kontext gelegt — was eine App über deine Interessen weiß, soll anderen Verein-Apps nützen können, ohne dass daraus ein zentrales Profil wird. Deshalb von Anfang an defensiv gebaut: getrennte Verschlüsselungs-Ströme für normalen und sensiblen Kontext, ein Schreib-Ausschluss für besondere Kategorien (Art. 9 DSGVO — Gesundheit, Weltanschauung und Ähnliches kommen gar nicht erst in den Graphen) und eine Ansicht, die dir zeigt, was über dich gespeichert ist.
  • Ein GPU-Broker teilt die eine Grafikkarte fair. Lokale KI, Sprache-zu-Text, Sprachausgabe und Bildgenerierung teilen sich eine einzige RTX-3090. Ein neuer Einlass-Wächter prüft den freien Speicher, bevor er einen Auftrag durchlässt — damit sich die Dienste nicht gegenseitig aus dem Speicher drängen.
  • KI-Antworten weisen sich aus. Eine neue, fleet-weite Konvention hängt an jede Antwort Header, die offenlegen, ob und welches Modell beteiligt war — und eine Schätzung, wie viel Energie das gekostet hat. KI nüchtern, nicht versteckt.

Dazu sind die Messungen öffentlich geworden: Wir vergleichen unsere lokale KI gegen die großen Cloud-Modelle bei echten Aufgaben (Artikel zusammenfassen, Kartendecks bauen, eine Mahlzeit aus dem Foto erfassen) und stellen die Ergebnisse offen auf die Landing — inklusive offengelegter Schwächen der Methode. Das Fazit nach den ersten drei Aufgaben: Das teure Frontier-Modell lohnt sich nur bei echter Analyse; für vieles reicht das, was lokal bei uns läuft.

Offene Punkte

  • Der Store steht, aber er ist jung: native Store-Client und Update-Mechanik sind erste Stände, kein eingespieltes System.
  • Die KI-Wahl gilt zuerst im Web. Die nativen Apps ziehen nach, wenn sie das nächste Mal gebaut werden.
  • Der Interest-Graph hat das Fundament, aber den vollen Lesezugriff (über den geschützten Schlüssel-Vault) geben wir erst frei, wenn das Compliance-Gate dafür sauber durch ist.
  • Die lokale KI hatte eine holprige Woche — eine neuere Modell-Version stürzte ab, wir liefen kurz auf einem Zwischenstand, bevor ein Update das behob.

Was kommt

Die nächste Store-Welle füllt das Schaufenster weiter, und die KI-Wahl wandert von den Web-Apps in die nativen. Die Richtung bleibt: weniger fremde Strippen, mehr in eigener Hand — bis hin zu der Frage, wer verteilt und wer rechnet.

Wer mitmachen will: [email protected].

Veröffentlicht
7. Juni 2026
Repos
mana
Tags
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