Forschung·KI·geprüft 2026-07-17
Schaffen offene Bildmodelle lesbaren Kartentext und Produktfoto-Realismus auf eigener Hardware — als Ersatz für Cloud-Bildgenerierung?

Offene Bildmodelle rendern lesbaren Kartentext — lokal statt in der Cloud

figgos erzeugte seine Karten-Bilder bisher über Google Gemini in der Cloud. Ein eigener Bake-off über sechs offene Modelle zeigt: Krea2 rendert fehlerfreien Kartentext samt Ziffern und ein Produktfoto in Studioqualität — self-hostbar, ohne API-Key, ohne Nutzungskosten.

Pilotreif·Horizont: Bald
Der Befund

Krea2 rendert auf eigener Hardware konsistent lesbaren Kartentext (inklusive Ziffern wie „Unit-7" und „MK-III") und ein sauberes Produktfoto — die Aufgabe, an der offene Bildmodelle klassisch scheitern.

Autor
Krea (Modell) · ComfyUI (Laufzeit)
Venue
Open-Weights / self-hosted (2026)
Lizenz
Krea2 und ComfyUI offen lizenziert und self-hostbar. Ideogram 4 war qualitativ die Obergrenze, ist aber nur nicht-kommerziell (NC) lizenziert und für uns damit nicht nutzbar.
0 €
Nutzungskosten pro Karte (lokal statt Cloud)
eigener Bake-off, RTX 3090
Die Methode

Unser Sammel-Figuren-Spiel figgos erzeugt zu jeder Figur ein Karten-Bild — ein Produktfoto einer versiegelten Blisterpackung: die Figur links, genau drei Accessoires rechts, reiner weißer Hintergrund. Und, das ist die harte Anforderung, lesbarer Text direkt im Bild: der Figurname groß, ein Untertitel, ein Rarity-Tag („COMMON“, „RARE“, „EPIC“, „LEGENDARY“). Bisher entstand dieses Bild über Google Gemini in der Cloud. Das funktioniert — kostet aber bei jedem Aufruf, hängt an einem API-Key, und die Bilddaten verlassen das Haus. Drei Abhängigkeiten, die dem ersten Verein-Wert (Daten-Souveränität vor Bequemlichkeit) direkt widersprechen.

Die naheliegende Alternative — ein offenes Modell auf eigener Hardware — hatte lange einen bekannten Haken: lesbaren Text im Bild bekommen offene Bildmodelle klassisch nicht sauber hin. Buchstaben verrutschen, verdoppeln sich, werden zu Pseudo-Schrift. Genau das mussten wir also messen, statt es zu vermuten.

Der Bake-off

Wir haben sechs offene Modelle über identische Karten-Prompts laufen lassen, Seed 42, auf einer RTX 3090: Chroma1-HD, Qwen-Image, Flux 2 Klein, Krea2 (turbo), Ideogram 4 und Juggernaut-XL als SDXL-Baseline. Zwei Runden. Runde eins war die Erstsichtung — sechs Modelle über zwei Karten. Runde zwei schickte die vier Finalisten durch sechs bewusst vielfältige Karten: verschiedene Raritäten, männlich und weiblich, jung und alt, Mensch und Roboter — inklusive eines gezielten Ziffern-Stresstests mit Namen wie „Unit-7“ und „MK-III“, weil Zahlen und Kürzel die Text-Schwäche am härtesten prüfen.

Krea2, lokal gerendert: „Bruno Halden – Coastal Lighthouse Keeper“, Common-Karte mit sauberem Text und drei Accessoires

Das Ergebnis ist eindeutig: Krea2 (turbo) ist der konsistenteste Sieger. Über alle Testkarten liefert es durchgehend die geforderten drei Accessoires, eine saubere Figur — und fehlerfreien, lesbaren Text, auch dort, wo es weh tut: die Ziffer „7“ und das Kürzel „MK-III“ stehen korrekt im Bild. Rund 36 Sekunden pro Karte, offen lizenziert, self-hostbar. Chroma1-HD ist qualitativ gleichauf und hat den besten „Grit“-Produktfoto-Look, braucht mit etwa 75 Sekunden aber gut das Doppelte.

Krea2, Legendary-Karte „Seraphine Vayle“ – gerenderter Goldfolien-Text, lokal ohne Cloud

Der ehrliche Gegenpunkt gehört dazu: Das fotorealistischste und textstärkste Modell im Test war nicht Krea2, sondern Ideogram 4. Es ist nur nicht-kommerziell (NC) lizenziert — damit für einen Verein, der die App betreibt, nicht nutzbar. Es steht in unserer Auswertung als Referenz-Obergrenze, nicht als Option. Flux 2 Klein war schnell und schön, produzierte im großen Namen aber wiederkehrend einen Buchstaben-Doppler („UNIIT-7“). Und Juggernaut/SDXL kann lesbaren Text schlicht nicht — genau deshalb war es als Baseline dabei: um die Schwäche sichtbar zu machen, gegen die die anderen antreten.

Ziffern-Stresstest bestanden: „Unit-7 Rustback / Salvage Automaton MK-III“ – Zahlen und Kürzel korrekt gerendert

Ein ehrlicher technischer Fund

Damit niemand den Eindruck bekommt, offene Modelle „laufen einfach“: Krea2 lief zuerst kaputt — die Bilder kamen als Gittermuster, ausgewaschen, unbrauchbar. Ursache waren zwei Verdrahtungsfehler. Krea2 nutzt das Wan2.1-Latent-Format und braucht deshalb eine dazu passende VAE (qwen_image_vae), nicht die Flux-VAE, mit der man reflexhaft startet. Und es braucht einen Sampling-Shift (ModelSamplingAuraFlow, 1.15). Erst mit korrekter Verdrahtung liefert es die Spitzenqualität oben. Das ist genau die Art Detail, die offene Modelle „schwierig“ wirken lässt: lösbar, aber man muss es wissen — und wer es nicht weiß, hält ein exzellentes Modell für ein schlechtes.

Wo wir stehen

Phase 1 ist gebaut. Im figgos-Backend sitzt ein austauschbarer Bild-Provider hinter dem Flag FIGGOS_GENERATION_BACKEND=gemini|local; auf local rendern Standard-Karten lokal über ComfyUI und Krea2. Damit ist der Bild-Pfad für den häufigsten Fall aus der Cloud herausgelöst. Offen bleiben zwei Stücke: der Text-Teil einer Karte lokal über mana-llm (Phase 2) und die Gesichtsfoto- Referenz mit Fusion (Phase 3) — die ist lokal noch nicht in ausreichender Qualität gelöst, weshalb Karten aus einem realen Gesicht vorerst bei Gemini bleiben. Der Cloud-Ausstieg ist an diesem einen Punkt also noch nicht vollständig, und das steht hier, statt es zu glätten.

Nüchtern eingeordnet: Ein self-hostbares Modell rendert lesbaren Kartentext und ein Produktfoto in einer Qualität, die vor Kurzem noch der Cloud vorbehalten schien — zu null Euro Nutzungskosten pro Karte, mit den Daten im Haus. Der Preis dafür sind rund 36 statt 10 bis 15 Sekunden pro Bild (ein asynchroner Job löst das) und die Abhängigkeit von einer GPU-Box, die einen Fallback braucht. Für einen Verein, der Souveränität über Bequemlichkeit stellt, ist das ein Tausch, der sich lohnt.

Vereins-Bezug

Was das für uns bedeutet

  • Der Bild-Pfad einer App verlässt das Haus nicht mehr. Standard-Karten in figgos rendern lokal über ComfyUI — kein API-Key, kein Dritt-Anbieter, der morgen das Pricing dreht oder den Zugang sperrt. Das ist Daten-Souveränität am konkreten Fall.
  • Keine laufenden Kosten pro Bild. Eine Cloud-Bildgenerierung kostet pro Aufruf; der lokale Pfad kostet Strom und Rechenzeit, die wir ohnehin vorhalten. Bei einem Sammel-Spiel mit vielen Karten ist das der Unterschied zwischen „skaliert mit dem Konto-Guthaben" und „skaliert mit unserer Hardware".
  • Der Weg ist wiederverwendbar. Ein austauschbarer Bild-Provider hinter einem Flag ist nicht figgos-spezifisch — jede Verein-App, die Bilder generiert, kann denselben lokalen Pfad einhängen, sobald er trägt.
  • Es ist der Beleg, dass offene Modelle die harte Aufgabe können. Lesbarer Text im Bild galt lange als die Schwäche offener Modelle. Dass ein self-hostbares Modell das sauber löst, verschiebt die Grenze dessen, was wir ohne Cloud bauen können.
Der Plan

Wie wir es nutzen könnten

  1. 1
    Phase 1 (GEBAUT): Bild-Pfad lokal
    Im figgos-Backend sitzt ein austauschbarer Bild-Provider hinter dem Flag FIGGOS_GENERATION_BACKEND=gemini|local. Auf local rendern Standard-Karten lokal über ComfyUI/Krea2 statt über die Google-Cloud.
  2. 2
    Phase 2 (offen): Text-Profil lokal
    Die Text-Bausteine einer Karte (Name, Untertitel, Werte) sollen über mana-llm lokal entstehen, sodass auch der Sprach-Teil ohne externen Anbieter auskommt. Noch nicht gebaut.
  3. 3
    Phase 3 (offen): Gesichts-Referenz und Fusion
    Karten aus einem Gesichtsfoto der Nutzer:innen mit Identitäts-Treue sind lokal noch nicht gelöst. Für diesen Fall bleiben wir vorerst bei Gemini, bis ein self-hostbarer Weg die Qualität erreicht.
Ehrlich benannt

Offene Punkte

  • Gesichtsfoto-Referenz mit Fusion ist lokal nicht gelöst. Karten, die ein reales Gesicht identitätstreu übernehmen sollen, laufen weiter über Gemini — der Cloud-Ausstieg ist an diesem Punkt noch nicht vollständig.
  • Latenz. Lokal braucht Krea2 rund 36 Sekunden pro Karte gegenüber vorher etwa 10 bis 15 Sekunden in der Cloud. Das erzwingt einen asynchronen Job statt einer synchronen Antwort — die Karte entsteht im Hintergrund, nicht im Request.
  • Hardware-Abhängigkeit. Der lokale Pfad hängt an einer GPU-Box, die ausfallen kann. Ein Fallback (auf Gemini oder eine Warteschlange) ist Pflicht, nicht optional.
  • Ideogram 4 war im Bake-off am fotorealistischsten und textstärksten, ist aber nur nicht-kommerziell lizenziert. Es dient uns als Referenz-Obergrenze, ist aber für den produktiven Einsatz ausgeschlossen.
Belege

Quellen

Paper, Code, Modell und Erklärung — mit eigenem Namen daneben. Datum dort, wo es belegbar ist.

Der Forschungsradar sammelt fremde Methoden, die zu dem passen, was wir bauen. Externe Entwicklungen (Regulierung, Markt) stehen in den Recherchen; die KI-Modelle selbst im Modell-Katalog.