Forschung·Grafik & 3D·geprüft 2026-07-13
Kann ein KI-Modell endloses, echtes Gelände erzeugen — schnell genug und offen genug für uns?

Terrain Diffusion — unendliches, lernbares Gelände als Perlin-Noise-Nachfolger

Ein Solo-Forscher fusioniert Diffusion und prozedurales Rauschen zu einem Verfahren, das unendliche, realistische Landschaften mit O(1)-Zufallszugriff erzeugt — MIT-lizenziert, Code und Gewichte offen.

Experimentell·Horizont: Später
Der Befund

InfiniteDiffusion erzeugt unendliches, seed-deterministisches Gelände, dessen Rechenkosten von der Weltgröße entkoppelt sind — realistischer als Noise, ohne dessen Geschwindigkeit zu verlieren.

Autor
Alexander Goslin
Venue
SIGGRAPH Conference Papers '26 (2026)
Lizenz
MIT (Code + Modellgewichte); Trainingsdaten Copernicus GLO-30 & WorldClim (CC BY 4.0)
MIT
Code und Modellgewichte frei — auf offenen Erd-Daten trainiert, sauber nutzbar
github.com/xandergos/terrain-diffusion
Die Methode

Prozedurale Welten benutzen seit vierzig Jahren Perlin-Noise: schnell, unendlich, mit Zufallszugriff auf jede Koordinate — aber ohne echtes Verständnis von Landschaft. Noise ist gleichförmig, wiederholt sich, hat keinen Plan fürs große Ganze. Die Alternative, KI-Modelle, lernt die Statistik echter Erde, ist aber langsam, weil jeder neue Ausschnitt von jedem anderen abhängt. Vierzig Jahre lang hieß die Wahl: lernen oder schnell.

Terrain Diffusion verbindet beides. Der Kern, InfiniteDiffusion, ist eine trainingsfreie Verallgemeinerung von MultiDiffusion: Ein neuer Weltausschnitt entsteht als gewichtetes Mittel der Denoising-„Fenster“ nur seiner direkten Nachbarn. Dadurch werden die Rechenkosten von der Weltgröße entkoppelt — die Erzeugung wird nicht langsamer, egal wie groß die Welt schon ist. Das Ergebnis ist ein Verfahren mit den Eigenschaften, die Spiele-Engines von Noise gewohnt sind: deterministisch (per Seed reproduzierbar), stateless, beliebig parallelisierbar, mit O(1)-Zufallszugriff auf jede Koordinate — es braucht nur einen kleinen Cache statt eines globalen Zustands.

Zwei Detail-Tricks machen es praktisch. Eine hierarchische Diffusions-Kaskade koppelt Planeten-Kontext mit lokalem Detail, sodass Kontinente über Hunderte Kilometer kohärent bleiben. Und ein Laplacian-Encoding trennt die Höhenskalen, damit ein Modell zugleich riesige Gebirge (Marianengraben bis Everest, −10.000 bis +9.000 Meter) und feine Uferlinien und Rinnen erzeugt — beides gleichzeitig, was naiver Diffusion misslingt.

Bemerkenswert ist der Aufwand: trainiert in zwei Wochen auf einer vier Jahre alten Consumer-GPU, veröffentlicht auf der SIGGRAPH — von einem einzelnen Forscher, der Code und Modellgewichte unter MIT frei weggibt. Ausgegeben werden 2D-Reliefkarten (Höhen in Metern) plus vier Klima-Kanäle (Temperatur, Temperatur-Saisonalität, Jahresniederschlag, Niederschlags-Saisonalität) — kein fertiges 3D-Mesh, keine Texturen, keine Flüsse. Auf einer RTX 3090 Ti erscheint die erste Kachel in ~7,6 Sekunden, jede weitere in ~2,4 — schnell genug, um Gelände beim Bewegen live zu streamen.

Für uns zählt weniger das Live-Streaming als die Kombination deterministisch + Zufallszugriff: Damit lassen sich Welten offline vorbacken und als statische Assets ausliefern — kein Laufzeit-GPU-Zwang, offline-fähig auf dem Gerät, keine Telemetrie. Das ist das Profil, das unsere Kinder-Apps brauchen.

Vereins-Bezug

Was das für uns bedeutet

  • Souveräne KI auf kleiner Hardware — trainiert in zwei Wochen auf einer betagten Consumer-GPU, läuft auf unserer GPU-Box. Genau unsere These, dass es keine Hyperscaler braucht.
  • Deterministisch + O(1)-Zufallszugriff heißt für uns: wir müssen nicht live streamen, sondern können Welten offline vorbacken und als statische Assets ausliefern — passt exakt zum local-first-Profil der Kisten.
  • Die Klima-Kanäle (Temperatur, Niederschlag) sind echte Daten und lassen sich in plausible Biom-/Pflanzenverteilung übersetzen — ein Anschluss an herbatrium und Natur-Lerninhalte, den kaum jemand nutzt.
  • Lizenz und Datenherkunft sind sauber (MIT + offene Erd-Daten), anders als bei aggregierenden Pipelines — nur Namensnennung nötig, kein Compliance-Risiko.
Der Plan

Wie wir es nutzen könnten

  1. 1
    Spike (≈1 Tag)
    Modell (terrain-diffusion-90m, das kleinere) auf der GPU-Box installieren, eine Region backen (Höhenkarte + Klima), als PNG/EXR exportieren und in voxelkiste über HTerrain/Mesh importieren. Ziel ist ein sichtbares Vorher/Nachher — Noise gegen Diffusion.
  2. 2
    Bake-Pipeline (≈1–2 Tage)
    Ein kleines CLI-Werkzeug in tools/ (z.B. mana-terrain-bake) — Seed plus Bounding-Box ergeben Höhen-/Normal-/Klima-Layer und einen Godot-/Blender-fertigen Export. Läuft als Nacht-Batch, wenn die GPU frei ist (konkurriert sonst mit STT/Gemma/ComfyUI).
  3. 3
    Erste echte Integration
    voxelkiste (oder weltkiste) mit einer gebackenen Welt ausliefern; parallel ein Blender-Render über mana-render fürs moodboard oder eine Geschichte.
  4. 4
    Optionaler Live-Dienst
    Falls wir einen interaktiven Welt-Explorer wollen (worldream-web), ein mana-terrain-Service auf der GPU-Box nach dem Muster wisekeep→mana-ingest (dünnes Frontend, lokaler Schwerdienst, Port aus PORTS.md, aggressiver Seed-Cache).
  5. 5
    herbatrium-Experiment
    Die Klima-Kanäle (Temperatur/Niederschlag) in einen Biom-/Pflanzen-Layer übersetzen — wissenschaftlich grundierte Flora-Verteilung als eigener Hebel.
Ehrlich benannt

Offene Punkte

  • Nur Oberfläche — keine Flüsse, Hydrologie oder Höhlen. Wasser und Erosion müssten wir aus Höhe und Niederschlag ableiten (machbar, aber Zusatzarbeit).
  • GPU-Kontention — die eine RTX 3090 teilt sich mit STT, Gemma und ComfyUI. Backen gehört in einen Nacht-Batch, kein Dauer-Live-Betrieb ohne Kapazitätsplan.
  • Höhenkarte zu spielbarem 3D ist der eigentliche Integrationsaufwand pro Engine (Godot-HTerrain vs. Babylon vs. Blender).
  • infinite-tensor ist ein frisches Solo-Paket (MIT, klein) — beim Einsatz pinnen/bündeln.
  • Nicht dringend. Für jetzt bewusst nur beobachten und als Spike vormerken, nicht sofort bauen.
Im Verein

Womit das zusammenhängt

Der Forschungsradar sammelt fremde Methoden, die zu dem passen, was wir bauen. Externe Entwicklungen (Regulierung, Markt) stehen in den Recherchen; die KI-Modelle selbst im Modell-Katalog.