Föderation statt Lock-In
Daten gehen über App-Grenzen hinweg über offene Plattform- Protokolle (Share, Links, Events, MCP, Search), nicht über hauseigene Vendor-APIs. Jede App kann zur Allmende beitragen, jede App kann fortgehen — der Export ist gleichwertig zur internen API.
Lock-In ist das ökonomische Fundament der Enshittification-These: sobald Wechseln teuer ist, kann die Plattform an der Schraube drehen, ohne Kunden zu verlieren. Daten in proprietären Formaten, Verbindungen in App-eigenen Sozial-Graphen, Routinen in spezialisierten UI-Mustern — das alles ist Wechsel-Reibung.
Der Verein hat sich entschieden, die Wechsel-Reibung von Anfang
an niedrig zu halten — nicht weil wir möchten, dass Leute gehen,
sondern weil wir das Versprechen, dass sie können, technisch
einlösen wollen. Konkret: jeder Daten-Austausch zwischen Apps
läuft über veröffentlichte Föderations-Services (mana-share,
mana-links, mana-events, mana-mcp, mana-search), nicht
über hauseigene Vendor-APIs.
Das hat zwei Effekte. Erstens: jede App kann Inhalte beim Verlassen
mitnehmen, ohne dass wir noch eine Export-Pipeline bauen müssten —
das Format, in dem wir innerlich kommunizieren, ist dasselbe wie
das, in dem wir exportieren. Zweitens: andere Implementierungen,
auch außerhalb des Vereins, können dieselben Protokolle sprechen.
mana-share-konforme Apps Dritter können mit unseren Apps Inhalte
austauschen, ohne dass wir das genehmigen müssten. Allmende statt
Walled Garden.
Die ehrliche Kehrseite: Föderation ist teurer zu bauen als ein geschlossenes Stück Software. Schema-Brüche müssen über mehrere Apps verhandelt werden, Versionierung muss diszipliniert sein, und ein Konkurrent kann uns aus den Daten heraus angreifen, die wir selbst veröffentlicht haben. Wir zahlen diese Komplexität als Versicherung gegen den Enshittification-Hebel — und als Investition in einen kleinen, aber wachsenden Bestand an Software, die nicht nach den Regeln von Aktionärs-Software gebaut ist.
Wie genau das funktioniert
- `mana-share` als Plattform-Föderation für Inhalts-Bridges zwischen Apps (z.B. Zitate aus Zitare in Wordeck als Karte).
- `mana-links` als Föderation für referenzielle Verlinkung zwischen Apps und externen Resources.
- `mana-events` als Föderations-Layer für Termin-Datensätze (Seepuls, Mukke-Termine, Werte-Workshops).
- `mana-mcp` als Model-Context-Protocol-Server, der eigene Daten in fremde KI-Agenten exportieren kann.
- `mana-search` als föderierter Suchindex über alle Apps der Nutzerin (lokales Read-Modell, server-seitig nur gehashed).
- Voller Daten-Export pro App als Standard-Feature, nicht als versteckte Compliance-Option. Format: offene Schemata, JSON + Markdown, nicht proprietär.
Was uns das kostet
Jeder Lösung hat einen Preis. Diese hier zahlen wir bewusst — weil das, was wir damit erreichen, mit nachgelagerten Tricks nicht ehrlich zu bauen ist.
- Föderations-Protokolle zu pflegen kostet mehr Engineering als eine geschlossene App-zu-App-Brücke. Wir zahlen das Mehr für Wechsel-Freiheit, nicht für Skalierung.
- Inkompatible Schema-Brüche müssen wir teurer migrieren, weil sie über mehrere Apps gleichzeitig verhandelt werden müssen.
- Voller Export bedeutet, dass Konkurrenten unsere Inhalte importieren können. Das ist gewollt — Allmende statt Schatz — aber kein Wachstums-Vorteil im üblichen Sinn.
Wo es im Code/in der Doku steht
- Service mana-share — Plattform-Föderation für Inhalts-Bridges
- Service mana-links — Föderierte Verlinkung
- Service mana-events — Föderierte Termin-Datensätze
- Service mana-mcp — Model-Context-Protocol-Server
- Service mana-search — Föderierter Suchindex
- Doku https://github.com/mana-ev/mana/blob/main/docs/FEDERATION.md — Föderations-Architektur
Welche Probleme dieser Lösung adressiert
Diagnose ohne Antwort ist Lamentation; Antwort ohne Diagnose ist Ingenieurs-Spielerei. Hier verbindet sich beides.
Welche Grundsätze er trägt
Offene Punkte
- `mana-mcp` ist gebaut, aber öffentliches Verzeichnis fehlerhafter KI-Agenten-Endpunkte fehlt — Mitglieder sollen sehen, welche Agenten auf ihre Daten zugreifen.
Weitere Lösungen dieser Art
Wie die Daten fließen — strukturelle Entscheidungen.
- Event-Sourcing als Daten-ArchitekturStatt aktuelle Zustände in einer App-Datenbank zu mutieren, schreiben unsere Apps jede Änderung als unveränderliches Event in einen zentralen, signierten Ledger. Daraus folgt vieles, was sich sonst nicht bauen lässt: Audit-Trail, Cross-App-Timeline, vollständige Lösch- und Export-Pfade, transparente KI-Aktionen.
- Cross-App-Timeline — jede Änderung ist sichtbar, auch KI-ÄnderungenEine zentrale Zeitleiste über alle Vereins-Apps zeigt in Echtzeit, was sich in den eigenen Daten geändert hat — von wem, wann, in welcher App, und ob ein Mensch oder eine KI sie geschrieben hat.
- Local-First + Login-OptionalWo es geht, rechnet die App auf dem Gerät, speichert auf dem Gerät und funktioniert ohne Konto. Ein Login ist nur dann nötig, wenn die Nutzerin tatsächlich Geräte-übergreifend syncen oder Mana-Aktionen ausführen möchte.
- PWA vor Native — Web-App, wo es gehtWo der Plattform-Vorteil einer nativen App nicht zwingend gebraucht wird, liefern wir eine progressive Web-App statt. Das spart den App-Store-Tribut, verkürzt die Update-Schleife und hält die Installation in der Hand der Nutzerin.
Lösungen sind die strukturellen Antworten des Vereins. Werte sagen, wonach wir uns ausrichten; Probleme sagen, wogegen; Lösungen sagen, was wir daraus baulich machen.