Recherchen·Plattform·geprüft 2026-06-23
Wir haben mit Godot eine Spiele-Engine in unseren Werkzeugkasten geholt — was kann sie für den Verein noch, außer Spiele?

Godot jenseits von Spielen — eine souveräne Werkbank für Echtzeit-Anwendungen

Für unsere ersten beiden Spiele haben wir Godot eingeführt — eine offene, vollständig quelloffene Engine. Was dabei oft übersehen wird: Godot ist im Kern keine Spiele-, sondern eine Echtzeit-Engine mit eingebautem Oberflächen- System. Damit lassen sich native Lern-Apps, Kreativ-Werkzeuge, 3D-Planer, Visualisierungen und Ausstellungs-Stationen bauen — ohne App-Store-Zwang, ohne Cloud-Baustein, als Programm, das wir selbst signieren und das offline läuft. Genau die Linie, die der Verein ohnehin fährt, nur für bewegte Grafik.

Der Befund

Godot ist quelloffen (MIT-Lizenz), vendor-frei und exportiert dasselbe Projekt nativ auf Mac, Windows, Linux, iOS, Android und ins Web. Sein Oberflächen-System ist vollwertig genug, um echte Anwendungen zu bauen — die Engine selbst ist in sich selbst geschrieben. Für mana heißt das: Jedes Werkzeug, das wir darin bauen, ist von Geburt an souverän — keine Lizenzgebühr, keine Umsatzbeteiligung, kein fremdes Konto, kein Server-Zwang.

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Godot kostet keine Lizenzgebühr und erhebt keine Umsatzbeteiligung — anders als die marktüblichen Engines, die ab einer Umsatzschwelle mitverdienen oder eine laufende Bindung verlangen. Was wir damit bauen, gehört uns vollständig.
Godot Engine — MIT-Lizenz, 2026
Einordnung

Für unsere ersten beiden Spiele haben wir uns für Godot entschieden — eine quelloffene Engine, statt für eine der großen kommerziellen. Der Grund war zunächst einfach: Godot steht unter einer freien Lizenz, verlangt keine Gebühren und keine Umsatzbeteiligung, und niemand kann uns die Grundlage unter den Füßen wegziehen. Was als pragmatische Wahl für ein Aufbauspiel begann, ist beim näheren Hinsehen ein Werkzeug, das weit über Spiele hinausreicht.

Der Denkfehler steckt schon im Namen. „Spiele-Engine“ klingt nach einem Spezialwerkzeug für Unterhaltung. Tatsächlich ist Godot eine allgemeine Echtzeit-Engine: ein System, das viele bewegte Dinge gleichzeitig zeichnet, auf Eingaben reagiert und das Ergebnis flüssig auf den Bildschirm bringt — in 2D wie in 3D. Spiele sind nur der bekannteste Anwendungsfall. Dass die Engine ein vollwertiges Oberflächen-System mitbringt, mit dem sich Knöpfe, Listen und Menüs bauen lassen, macht sie zum Werkzeug für echte Anwendungen. Der Beweis liegt offen vor uns: Der Godot-Editor, in dem man Godot-Projekte baut, ist selbst ein Godot-Programm.

Was wir damit schon gebaut haben

Wir mussten das nicht theoretisch durchdenken — wir haben es bereits zweimal getan. Unser Voxel-Baukasten voxelkiste ist gar kein Spiel im klassischen Sinn, sondern ein Kreativ-Werkzeug: Man formt eine Welt aus frei gefärbten Würfeln, baut eigene Objekte und Wesen, ganz ohne zu gewinnen oder zu verlieren. Er läuft als natives Mac-Programm, das wir selbst signiert haben — kein App-Store steht dazwischen, keine Cloud, kein Konto. Unser Aufbauspiel manatal dagegen läuft als Web-Export direkt im Browser, ohne Installation. Zwei sehr verschiedene Auslieferungswege, dieselbe Engine, derselbe Quelltext. Damit ist die wichtigste Frage schon beantwortet: Ja, das trägt.

Wofür sich Godot über Spiele hinaus eignet

Native Werkzeuge mit Oberfläche. Editoren, Konfiguratoren, Werkzeuge zum Zeichnen und Anordnen — alles, wofür man sonst einen Browser samt mehrerer fremder Bausteine bräuchte, läuft als eigenständiges Programm. voxelkiste zeigt die Richtung; sie trägt weiter.

Kinder- und Lern-Apps. Hier liegt der größte ungehobene Bereich. Eine native Godot-App kann ohne Konto, ohne Werbe-Baustein und ohne Server laufen — sie hat nichts zu senden. Für Software, die Kinder in die Hand bekommen, ist das die ruhigste Form von Datenschutz, die es gibt. Denkbar sind freie Mal- und Bastel-Werkzeuge, interaktive Bilderbücher zum Antippen, Musik-Baukästen mit echter Klang-Synthese und niedriger Verzögerung, kleine Lernspiele, die belohnen statt unter Druck zu setzen — im selben sanften Geist wie manatal.

3D-Planer und Konfiguratoren. Raum- und Ausstellungs-Planung, Möbel- und Objekt-Vorschauen, 360-Grad-Ansichten. Unser Raum-Planer raumwerk macht das heute im Browser; Godot wäre die native Alternative mit mehr Leistung und einem echten Programm zum Mitnehmen.

Visualisierung und generative Kunst. Lebendige, bewegte Darstellungen großer Datenmengen, Diagramme, prozedural erzeugte Bilder und Muster. Unsere Transparenz-Zahlen etwa könnten eine Form bekommen, die man nicht nur liest, sondern der man beim Wachsen zusieht.

Simulationen zum Begreifen. Physik-Sandkästen, kleine Ökosysteme, Maschinen, deren Zusammenspiel man durch Anfassen versteht. „Wie funktioniert das?“ als Spielwiese statt als Text — die digitale Schwester unserer Lernkoffer-Idee.

Räumliche Anwendungen und Stationen. Godot bringt OpenXR mit, also VR und AR ohne Browser-Umweg. Und es läuft im Vollbild auf einer kleinen Kiste — geeignet für Ausstellungs-Terminals oder als Anzeige-Front für unsere Geräte-Linie mana-devices, etwa eine Wetter- oder Vorlese-Kiste.

Warum das genau zu mana passt

Der rote Faden ist nicht die Grafik, sondern die Souveränität. Jedes Werkzeug, das wir in Godot bauen, ist von Geburt an unabhängig: quelloffene Engine, kein fremdes Konto, native Programme, die wir selbst signieren, und die Möglichkeit, ganz ohne Server und damit ohne Datenabfluss zu laufen. Das ist exakt die Linie, die der Verein ohnehin fährt — bisher vor allem im Web, künftig auch dort, wo es um bewegte Grafik, Ton und Räume geht. Godot erweitert nicht unsere Spielwiese, sondern unsere Werkbank.

Was das nicht ist

Godot ist kein Werkzeug für alles. Für die vielen formularlastigen Web-Apps, die wir betreiben, bleibt unser bestehender Web-Baukasten schneller und passender. Godot lohnt sich dort, wo Echtzeit, 3D, niedrige Tonverzögerung oder ein eigenständiges Programm der Kern der Sache sind — und das ist genau die Sorte Werkzeug, die wir bisher am wenigsten gebaut haben. Der nächste konkrete Schritt ist, aus dieser Liste einen Bereich auszuwählen und ihn fertig zu bauen. Der naheliegendste ist der mit dem größten Hebel und der saubersten Compliance: Kinder- und Lern-Apps, die nichts senden, weil sie nichts zu senden haben.

Vereins-Bezug

Was das für mana bedeutet

  • Godot ist die einzige große Echtzeit-Engine, die komplett quelloffen und bindungsfrei ist (MIT-Lizenz). Das ist kein Detail, sondern die Bedingung, die der Verein an jedes Werkzeug stellt: Wir können den Quelltext lesen, selbst bauen, einfrieren und weiterbetreiben, auch wenn das Projekt eines Tages anderswo hinläuft. Bei den verbreiteten Konkurrenz-Engines liegt diese Kontrolle bei einem Unternehmen — samt der Möglichkeit, Lizenz oder Preis nachträglich zu ändern. Genau das ist uns dort schon widerfahren, wo wir uns abhängig gemacht hatten.
  • Godots Oberflächen-System ist kein bloßes Spiel-Menü, sondern vollwertig: Knöpfe, Listen, Eingabefelder, Bäume, andockbare Bereiche. Damit lassen sich echte Anwendungen bauen, nicht nur Spiele — der beste Beweis ist, dass der Godot-Editor selbst in Godot geschrieben ist. Für uns heißt das: Werkzeuge, für die wir sonst einen Browser samt mehrerer fremder Bausteine bräuchten, laufen stattdessen als eigenständiges Programm.
  • Ein Godot-Projekt exportiert nativ auf Mac, Windows, Linux, iOS, Android — und ins Web. Wir bauen einmal und liefern als Programm aus, das wir selbst signieren, oder als Web-Seite ohne Installation. Unser Voxel-Baukasten voxelkiste ist genau so entstanden: ein natives Mac-Programm, das wir selbst signiert haben, ganz ohne App-Store als Pförtner. Unser Aufbauspiel manatal läuft als Web-Export im Browser. Dieselbe Engine, zwei Auslieferungswege, ein Quelltext.
  • Der größte ungehobene Bereich sind Kinder- und Lern-Apps. Eine native Godot-App kann ohne Konto, ohne Werbe-Baustein und ohne Server-Roundtrip laufen — sie hat schlicht nichts zu senden. Für Software, die Kinder in die Hand bekommen, ist das die ruhigste denkbare Form von Datenschutz: Was nie ein Netzwerk berührt, kann auch nicht abgegriffen werden. Unsere Musik-App klangkiste lebt heute schon von diesem Prinzip; Godot würde es auf Mal-Werkzeuge, interaktive Bilderbücher und Lernspiele mit echter Grafik und niedriger Tonverzögerung ausweiten.
  • Godot bringt OpenXR und Echtzeit-3D von Haus aus mit. Damit liegen Felder in Reichweite, die wir heute über den Browser-Umweg lösen: 3D-Konfiguratoren, Raum- und Ausstellungs-Planer (heute baut raumwerk das im Browser), Datenvisualisierungen, generative Kunst und Ausstellungs-Stationen, die im Vollbild auf einer kleinen Kiste laufen. Letzteres verbindet sich natürlich mit unserer Geräte-Linie mana-devices: Godot als Anzeige-Front für eine Wetter-, Nist- oder Vorlese-Kiste.
Ehrlich benannt

Offene Punkte

  • Godot ist kein Selbstläufer für jede Aufgabe. Für klassische, formularlastige Web-Apps bleibt unser bestehender Web-Baukasten (Svelte) das passendere und schnellere Werkzeug. Godot lohnt sich dort, wo Echtzeit-Grafik, Ton mit niedriger Verzögerung, 3D oder ein natives Programm der Kern sind — nicht als Ersatz für alles.
  • Der Web-Export ist mächtig, aber schwerer als eine normale Web-Seite: Die Engine muss als Programm in den Browser geladen werden, was die erste Ladezeit verlängert. Für ein Werkzeug, das man öffnet und länger nutzt, ist das richtig; für eine Seite, die nur kurz etwas anzeigt, wäre es zu viel.
  • Native Auslieferung heißt native Pflichten. Auf dem Mac müssen wir Programme signieren (das tun wir), für eine reibungslose Installation außerhalb des App-Stores zusätzlich notariell beglaubigen lassen (das steht bei voxelkiste noch aus). Android braucht eine eingerichtete Bau-Umgebung samt Testgerät — bei voxelkiste ist genau das aktuell der offene Punkt.
  • Die Engine bringt 3D, Physik und XR mit, aber Inhalte — Modelle, Klänge, Texturen — müssen wir stellen. Wir setzen konsequent auf gemeinfreie und quelloffene Quellen (etwa die Kenney-Sammlungen, die manatal nutzt); das hält uns sauber, kostet aber Kuratierungs-Arbeit. Ohne Inhalte ist die beste Engine ein leerer Raum.
  • Personenbezogene Apps für Kinder werfen eigene Fragen auf, selbst wenn keine Daten das Gerät verlassen. Bevor eine Kinder-App über den engsten Kreis hinaus öffnet, gehört sie durch dieselbe Schleife wie alles andere im Verein: Verzeichnis der Verarbeitungen, Gegenlesen, Freigabe. Souverän gebaut ist die Voraussetzung, nicht der Freibrief.
Im Verein

Womit das zusammenhängt

Recherchen sind das Langform-Format. Die kurze, datierte Version solcher Entwicklungen sammelt die Souveränitäts-Chronik; die Grund-Annahmen, auf denen mana steht, stehen unter den Thesen.