Recherchen·Datenschutz·geprüft 2026-06-22
Können unsere Apps Daten sichern und über Geräte abgleichen, ohne dass je ein fremder Server — auch nicht unserer — die Daten sieht?

Sync ohne fremden Server — Daten sichern, die uns nie erreichen

Unsere Apps speichern lokal, mit optionalem Abgleich über unseren Server. Dazwischen fehlt eine Stufe: sichern und über Geräte abgleichen, ohne dass mana den Speicher stellt — etwa im eigenen Cloud-Ordner, auf dem eigenen Server oder verschlüsselt bei einem beliebigen Anbieter. Die nötige Technik existiert und ist quelloffen. Der eigentliche Gewinn ist nicht bequemer Komfort, sondern dass Daten, die uns nie erreichen, auch nicht von uns geschützt werden müssen.

Der Befund

Zwischen „rein lokal" und „Abgleich über unseren Server" liegt eine dritte Stufe: nutzer-eigener Speicher. Browser können heute direkt in einen vom Menschen gewählten Ordner schreiben (File System Access API); offene Protokolle wie WebDAV erlauben den Abgleich gegen den eigenen Server; und ein client-seitig verschlüsselter Datenblock lässt sich auf jeden beliebigen Speicher legen, ohne dass dieser den Inhalt lesen kann. In allen drei Fällen betreibt mana keinen Speicher und sieht keine Daten.

0 Byte
Bei nutzer-eigenem Speicher liegt kein Byte personenbezogener Daten auf mana-Servern. Damit entfällt für diesen Weg der größte Teil der Auftragsverarbeitungs-Pflichten, die unsere Server-Sync-Apps tragen.
mana — Architektur-Einordnung, 2026-06-22
Einordnung

Unsere Apps speichern zuerst auf dem Gerät. Das ist die ruhigste Form von Datenschutz: Was nie das Gerät verlässt, kann unterwegs nicht abgegriffen, bei uns nicht eingesehen und von niemandem mitgelesen werden. Wer seine Daten über mehrere Geräte hinweg braucht oder sie sichern will, kann einen Abgleich einschalten — dann liegen die Daten, verschlüsselt, auf unserem Server. Beides ist gebaut und steht unter einer klaren Bedingung: standardmäßig aus, nur auf ausdrückliche Wahl an.

Dazwischen lag eine Lücke. Manche Menschen wollen ihre Daten sichern und über Geräte abgleichen, ohne dass mana den Speicher stellt — weil sie schon eine eigene Cloud haben, einen eigenen Server betreiben oder schlicht niemandem ihre Inhalte anvertrauen möchten, auch uns nicht. Die Frage dieser Recherche ist, ob das geht, ohne dass wir dafür Infrastruktur bauen. Die Antwort ist ja, und die Technik dafür ist quelloffen und älter als der Begriff „Cloud“.

Drei Wege, bei denen die Daten uns nie erreichen

Der eigene Ordner. Browser können seit einigen Jahren direkt in einen Ordner schreiben, den der Mensch einmalig auswählt — über die File System Access API. Eine App könnte ihre Daten automatisch dorthin sichern. Der Kniff: Zeigt dieser Ordner auf einen iCloud-Drive-, Google-Drive- oder Dropbox-Ordner, übernimmt der ohnehin laufende Sync-Dienst des Anbieters den Abgleich zwischen den Geräten. Wir schrieben nur eine Datei; die fremde Cloud, die der Mensch bereits nutzt und bezahlt, erledigt den Rest. mana käme darin nicht vor.

Der eigene Server. Für Menschen mit etwas mehr Anspruch an Selbstbestimmung gibt es WebDAV — ein offenes Protokoll aus dem Jahr 2007, das jede Nextcloud und viele andere Speicher sprechen. Ein Feld für Adresse und Zugang genügte, danach läge die Sicherung auf dem eigenen Server. In derselben Richtung ließe sich unser bestehender Abgleich-Dienst als Container zum Selbstbetreiben freigeben: gleicher Code, fremde, eigene Kiste. Damit könnte auch ein altes Notebook, ein Heimserver oder ein NAS die Rolle des Servers übernehmen — das Gerät im eigenen Haushalt als Server für die eigenen Geräte.

Der verschlüsselte Block auf beliebigem Speicher. Verschlüsselt die App ihre Daten, bevor sie sie ablegt, dann ist der Speicher dahinter austauschbar und muss nicht vertraut werden. Der Inhalt bliebe unlesbar, gleichgültig ob er in einer fremden Cloud, in einem eigenen Speicher-Eimer oder auf einem geliehenen Platz läge. Das verbindet die ersten beiden Wege zu einem Satz: Wir sehen die Daten nicht — und wir hosten sie auch nicht.

Warum das technisch nah liegt

Wir müssten dafür weniger neu bauen, als es klingt. Unsere Abgleich-Maschine sammelt Änderungen lokal und schiebt sie dann fort; wohin sie schiebt, ist schon heute eine austauschbare Stelle, sie zeigt nur fest auf unseren eigenen Dienst. Eine zusätzliche Speicher-Schicht — einmal für den lebenden Ordner, einmal für WebDAV — würde an genau dieser Stelle ansetzen. Die schwierigen Teile lägen bereits vor: die ausdrückliche Einwilligung als Bedingung, die Verschlüsselung auf dem Gerät und die Zusammenführung mehrerer Geräte über ein Ereignis-Modell. Letzteres ist auch die ehrliche Grenze: Reines Sichern auf ein Gerät ist einfach; mehrere Geräte konfliktfrei zusammenzuführen, ist die harte Arbeit, und sie ist nötig, sobald aus „Backup“ ein echter Abgleich wird.

Der eigentliche Gewinn ist rechtlich

Der wichtigste Punkt steht nicht im Code. Sobald personenbezogene Daten auf unserer Infrastruktur liegen, tragen wir Pflichten: Auftragsverarbeitung, Aufbewahrungsfristen, Verträge mit Dienstleistern, externes Gegenlesen. Diese Pflichten sind richtig, und wir erfüllen sie — aber sie kosten einen jungen Verein Zeit, und mehrere Apps warten genau darauf, bevor sie sich öffnen dürfen.

Ein Weg, auf dem die Daten uns nie erreichen, fällt aus diesem Regime weitgehend heraus. Wo wir keinen Speicher stellen und keinen Inhalt sehen, gibt es keinen Auftrag zu verarbeiten. Genau das ist der Grund, warum unsere Musik-App klangkiste heute schon ohne jede dieser Lasten auskommt: Sie hat keinen Server, also gibt es nichts zu schützen, was nicht schon auf dem Gerät des Menschen läge. Eine Stufe für nutzer-eigenen Speicher würde diese Sauberkeit auf Apps ausdehnen, die heute zwingend über unseren Server abgleichen müssten.

Was das nicht ist

Diese Stufe ersetzt unseren Abgleich nicht, sie tritt neben ihn. Wer Bequemlichkeit möchte, nimmt weiter unseren Server — eingeschaltet, wenn er ihn will. Wer die eigene Cloud schon hat, legt seine Daten dorthin. Wer einen eigenen Server betreibt, gleicht gegen den ab. In schluma stehen der eigene Ordner und der eigene WebDAV-Server bereits zur Wahl; den Sync-Dienst zum Selbstbetreiben gibt es als Bauanleitung dazu.

Der erste Schritt ist getan — in schluma lässt sich der Weg jetzt im Alltag prüfen: ob er hält, was er rechtlich verspricht. Bewährt er sich, bekommen ihn nach und nach die übrigen Apps; vorher wägt jede für sich ab, was ihre Daten brauchen.

Vereins-Bezug

Was das für mana bedeutet

  • Unsere bestehende Abgleich-Maschine ist vom Transport entkoppelt: Änderungen werden lokal gesammelt und dann fortgeschoben. Inzwischen schreibt dieselbe Maschine über eine austauschbare Speicher-Schicht wahlweise zu unserem Dienst, in einen Nutzer-Ordner oder auf einen Nutzer-Server — Opt-in, Verschlüsselung und Konfliktauflösung mussten dafür nicht neu gebaut werden.
  • Ein „lebender Ordner" über die File System Access API wäre der einfachste Weg: Die App schriebe automatisch in einen einmalig gewählten Ordner. Zeigt dieser auf iCloud Drive, Google Drive oder Dropbox, übernimmt deren eigener Sync-Dienst den Abgleich — wir schrieben nur eine Datei, die fremde Cloud erledigt den Rest. So ließe sich vorhandene Cloud nutzen, ohne sie anzubinden.
  • Für Menschen mit eigenem Server wäre WebDAV der souveränste Weg: ein Feld für Adresse und Zugang, danach läge die Sicherung auf der eigenen Nextcloud. Und unser Abgleich-Dienst ließe sich als Container zum Selbstbetreiben freigeben — gleicher Code, fremde, eigene Kiste. Damit könnte auch ein altes Gerät, ein Heimserver oder ein NAS die Rolle des Servers übernehmen.
  • Der größte Hebel ist rechtlich, nicht technisch. Unsere Server-Abgleich-Apps tragen Auftragsverarbeitungs-Pflichten, weil personenbezogene Daten auf unserer Infrastruktur landen — Verträge, Aufbewahrungsfristen, externes Gegenlesen. Ein Weg, auf dem die Daten uns nie erreichen, fällt aus diesem Regime weitgehend heraus. Genau das macht unsere Musik-App klangkiste heute schon sauber, weil sie ohne Server auskommt; diese Stufe würde dieselbe Sauberkeit auf Apps ausdehnen, die heute zwingend über unseren Server abgleichen müssten.
  • Diese Stufe ersetzt nichts, sie ergänzt. Wer Bequemlichkeit will, nähme weiter unseren Abgleich. Wer maximale Selbstbestimmung will, legte seine Daten in den eigenen Ordner oder auf den eigenen Server. Beides stünde unter derselben Bedingung wie heute: standardmäßig aus, nur auf ausdrückliche Wahl an.
Ehrlich benannt

Offene Punkte

  • Die File System Access API ist in Chromium-Browsern ausgereift, in Safari und Firefox aber nur eingeschränkt verfügbar. Der „lebende Ordner" wäre deshalb zunächst nicht überall nutzbar; als Rückfall bliebe der manuelle Datei-Export, den klangkiste und voxelkiste bereits können.
  • iCloud lässt sich im Browser nicht direkt ansteuern — nur über den Umweg eines iCloud-Drive-Ordners. In nativen Apps (unsere Godot- und Swift-Apps) wäre der direkte iCloud-Weg dagegen erstklassig. Welcher Weg passt, hängt also an der Bauart der jeweiligen App.
  • Sichern ist einfach, Abgleichen ist schwer. Mehrere Geräte zusammenzuführen erzeugt Konflikte; das lösen entweder unser vorhandenes Event-Modell oder konfliktfreie Datentypen (CRDTs). Für reines Backup auf ein Gerät braucht es diesen Aufwand nicht.
  • Verschlüsselt man die Daten vor dem Ablegen, verschiebt sich das Risiko auf die Schlüssel. In schluma wird der Schlüssel aus einer Passphrase abgeleitet: dieselbe Passphrase auf einem zweiten Gerät genügt — das ist zugleich Übertragung und Wiederherstellung. Die Kehrseite ist ehrlich zu benennen: Wer die Passphrase vergisst, verliert den Zugang, und auch wir können dann nicht helfen.
  • Aus der Richtung ist ein erstes Merkmal geworden: Die Schlaf-App schluma kann ihre Daten seit Juni 2026 in einen eigenen Ordner oder gegen einen eigenen WebDAV-Server abgleichen, verschlüsselt und ohne Konto. Die Bausteine sind quelloffen und wiederverwendbar. Offen bleibt der Schritt für die übrigen Apps und die breite Alltagserprobung.

Recherchen sind das Langform-Format. Die kurze, datierte Version solcher Entwicklungen sammelt die Souveränitäts-Chronik; die Grund-Annahmen, auf denen mana steht, stehen unter den Thesen.