Recherchen·Regulierung·geprüft 2026-06-04
Kann man auf dem iPhone inzwischen Apps an Apple vorbei installieren?

Drittanbieter-Apps auf dem iPhone — was die EU geöffnet hat, und was nicht

Seit iOS 17.4 dürfen iPhones in der EU Apps aus fremden Stores und direkt von Entwickler-Webseiten laden — der App Store ist nicht mehr der einzige Weg. Für mana als Schweizer Verein ändert das vorerst wenig: Die Öffnung gilt nur in der EU/EWR, und die Schweiz gehört nicht dazu.

Der Befund

Die EU erzwingt seit 2024 alternative App-Stores und die Installation direkt von Entwickler-Webseiten auf iOS — aber nur für Geräte mit EU-Apple-ID und Standort in der EU. Auf Schweizer iPhones bleibt der App Store der einzige Weg.

EU/EWR
Wo die Öffnung greift — die Schweiz, unser Sitzland, gehört nicht dazu.
Apple Developer Support · DMA-FAQ
Einordnung

Jahrelang galt auf dem iPhone eine einfache Regel: Software kommt aus dem App Store oder gar nicht. Apple verkaufte das Gerät, kontrollierte das Betriebssystem, stellte das Bezahlsystem und definierte den einzigen zulässigen Vertriebskanal. Der Digital Markets Act der EU hat genau diese Bündelung als wettbewerbswidrig eingestuft und Apple als „Gatekeeper“ zur Öffnung verpflichtet.

Seit iOS 17.4 (März 2024) ist das in der EU technisch umgesetzt: Nutzer:innen können alternative App-Marktplätze installieren — etwa von Epic, Microsoft oder anderen Anbietern — und Apps daraus beziehen. Kurz darauf kam die Web-Distribution dazu: Entwickler dürfen ihre App auch direkt von der eigenen Webseite zur Installation anbieten, ganz ohne Store. Hinzu kommen freiere Browser-Wahl und das Recht, im App Store auf Bezahlangebote außerhalb von Apples System zu verweisen. Eine Bedingung bleibt für alle Wege: Jede App muss weiterhin von Apple notarisiert werden — ein automatischer Sicherheits-Scan, kein inhaltliches Review.

Kostenlos wird der Konzern dabei nicht. Zuerst führte Apple eine „Core Technology Fee“ von 0,50 € pro Jahresinstallation ein — heftig kritisiert, unter anderem von Spotify und Epic, weil sie gerade kostenlose Apps mit großer Reichweite treffen konnte. Zum 1. Januar 2026 hat Apple in der EU auf ein einheitliches Modell umgestellt: eine Core Technology Commission von 5 % auf digitale Verkäufe, die über alle Wege greift — App Store, Web-Distribution und alternative Marktplätze gleichermaßen — gestaffelt um weitere „Store Services“-Gebühren. Die Mauer hat also eine Tür bekommen, an der weiterhin ein Zoll erhoben wird.

Für uns ist der entscheidende Satz ein anderer, und er steht in Apples eigener DMA-FAQ: Die alternative App-Verteilung ist ausschließlich in der EU verfügbar, und sie setzt eine Apple-ID mit Sitz in einem EU-Land sowie den physischen Aufenthalt in der EU voraus. Die Schweiz — der Sitz unseres Vereins und das Zuhause vieler unserer Mitglieder — ist weder EU- noch EWR-Mitglied. Für ein Schweizer iPhone bleibt der App Store damit der einzige Weg, eine Native-App zu installieren. Die viel beschriebene Öffnung findet bei uns zuhause schlicht nicht statt.

Das ändert nichts an der Richtung, in die wir ohnehin gehen — es bestätigt sie. Wo es geht, liefern wir eine progressive Web-App: plattform-unabhängig, ohne Store, über unsere eigene Domain installierbar, Updates mit dem nächsten Seiten-Refresh. Native bauen wir nur dort, wo iOS bestimmte Hardware-Funktionen ausschließlich nativen Apps gibt. Und die Mana-Käufe laufen über die Vereins-Webseite, nicht über den In-App-Kauf. Dass die EU Apple überhaupt zur Öffnung zwingen musste, ist die eigentliche Geschichte — sie steht im Problem zum App-Store-Tribut. Die DMA zeigt zweierlei zugleich: dass das Store-Monopol eine politische Entscheidung war und keine Naturgegebenheit — und wie geschickt ein Gatekeeper eine Regulierung über neue Gebühren wieder einfängt.

Vereins-Bezug

Was das für mana bedeutet

  • Für unsere Schweizer Mitglieder ändert die DMA praktisch nichts: Ihre Apple-ID ist für alternative Stores und Web-Distribution nicht freigeschaltet. Auf CH-iPhones bleibt der App Store der einzige Weg, eine Native-App zu installieren.
  • Für Mitglieder mit EU-Apple-ID (Deutschland, Österreich …) entsteht grundsätzlich ein zweiter Weg: Web-Distribution würde erlauben, unsere Native-Apps direkt von einer mana-Domain zu installieren — ohne App-Store-Review, mit Update per Server statt per Store.
  • Gebührenfrei ist das nicht. Wer Apples EU-Bedingungen annimmt, zahlt die „Core Technology Commission" (5 % auf digitale Verkäufe, über alle Wege) und muss jede App weiter von Apple notarisieren lassen. Der Kanal wird offener, der Konzern bleibt im Boot.
  • Die Lage bestätigt unsere bestehende Strategie: PWA als plattform-unabhängiger Standard, Native nur dort, wo iOS Hardware-Features sonst verweigert, und Mana-Käufe über die Webseite statt In-App-Kauf.
  • Ein eigener alternativer App-Store ist für einen kleinen Verein unverhältnismäßig — Apple verlangt dafür u. a. ein Bank-Akkreditiv über 1 Mio. € pro Jahr. Web-Distribution wäre der realistischere Hebel, falls wir je an Apple vorbei verteilen wollen.
Ehrlich benannt

Offene Punkte

  • Ob und wann Apple die Öffnung über die EU/EWR hinaus ausweitet, ist nicht absehbar. Die Schweiz ist weder EU- noch EWR-Mitglied und vom Digital Markets Act nicht erfasst — für unser Kern-Publikum bleibt die Tür zu.
  • Apples EU-Gebührenmodell ändert sich laufend (zuletzt zum 1.1.2026 von der „Core Technology Fee" auf die „Core Technology Commission"). Die Zahlen hier sind ein Stand, kein Dauerzustand.
  • Web-Distribution hat Annahme-Hürden (u. a. zwei Jahre Mitgliedschaft im Apple Developer Program und eine Mindest-Installationszahl in der EU im Vorjahr). Ob wir die überhaupt erfüllen, haben wir nicht geprüft.
  • Ob sich der Aufwand eines App-Store-unabhängigen Wegs für unsere Reichweite lohnt, haben wir nicht durchgerechnet. Bis dahin gilt: beobachten, nicht bauen.

Recherchen sind das Langform-Format. Die kurze, datierte Version solcher Entwicklungen sammelt die Souveränitäts-Chronik; die Grund-Annahmen, auf denen mana steht, stehen unter den Thesen.